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Plastikfrei Blog | Häufige Fragen | Warum werden nachhaltige Produkte trotzdem in Plastik verpackt?

Warum werden nachhaltige Produkte trotzdem in Plastik verpackt?

nachhaltige Produkte trotzdem in Plastik verpackt
HYDROPHIL: Gemeinsam

Wer sich mit plastikfreiem Leben beschäftigt, stößt häufig auf folgende Situation: Ein Produkt ist nach allen Maßstäben nachhaltig, also aus biologischen Inhaltsstoffen, fair produziert und ohne Mikroplastik. Dennoch ist es in Plastik verpackt. Wie kommt das? Die Antworten darauf findest du in diesem Artikel.

Vielleicht ist das gar kein Plastik, sondern … Manuel Neuer?

Nicht alles, was wie Plastik aussieht, ist auch Plastik. Das habe ich im Artikel „Folienbeutel ohne Plastik“ bereits ausführlich anhand von Zellophan begründet. Daher könnte es sein, dass man mit seiner Einschätzung schlichtweg falsch liegt. Plastikfreie Produkte müssen nicht „typisch öko“ aussehen!

Es gibt inzwischen nachhaltige Methoden, um beispielsweise Glanzeffekte auf Verpackungen zu erzielen, ganz ohne Kunststoff (Beispiel: Zotter). Nicht selten laufen dann die nachhaltig orientierten Kunden Sturm, da sie es nicht für möglich halten, dass hier tatsächlich plastikfrei gearbeitet wird.

Aus diesem Grund sollte man sich immer erst einmal informieren, ob es sich hier nicht doch um eine alternative Verpackung handelt, die Plastik zum Verwechseln ähnlich sieht.

Nachdem das geklärt ist, geht es im weiteren Text um den Fall, dass es sich tatsächlich um eine Kunststoff-Verpackung handelt.

1) Vertrauen auf Recycling

Einige umweltbewusste Unternehmen entscheiden sich bewusst für den Einsatz von Kunststoffen. Sie wählen die Variante, die sich am besten recyceln lässt. Dazu zählt PE. Sortenreines Polyethylen, wie man es zum Beispiel von Kanistern kennt, kann zu 100% recycelt werden.

Das Problem: Nur weil es potenziell möglich ist, wird nicht alles tatsächlich recycelt.

2) Mangelnde Sensibilisierung

Manche Unternehmen engagieren sich zwar für Nachhaltigkeit, setzen das jedoch nicht auf allen Ebenen um. Zum Beispiel tragen die Produkte ein Bio-Siegel und man spendet für Umweltprojekte. Damit sieht man den Anspruch an das Thema Ökologie erstmal als erfüllt an.

Da die Kunden hier jedoch immer kritischer werden, hat dieses Ausruhen auf den eigenen Lorbeeren keine Zukunft. Das entscheidende Stichwort lautet Ganzheitlichkeit und das betrifft auch die Verpackungen!

3) Wirtschaftlichkeit

Die Kostenfrage ist wahrscheinlich der größte Faktor. Neu erzeugter Kunststoff ist nun einmal die billigste Variante. Er ist außerdem leicht, lässt sich in verschiedenste Formen bringen und schützt die Ware optimal. Das vereinfacht auch den Transport. Damit wird Plastik für viele Unternehmen zum Kostenfaktor.

Mit dem wachsenden Nachhaltigkeits-Anspruch beim Kunden ist jedoch damit zu rechnen, dass alternative Verpackungen zunehmend zum Kaufargument werden und damit die Verwendung von Plastik auch aus wirtschaftlicher Sicht weniger attraktiv wird.

4) Zeitmangel bei jungen Unternehmen

Wer schon einmal ein Unternehmen gegründet oder in einem Startup gearbeitet hat, weiß es: Man hat praktisch für nichts Zeit, da man sich um Vieles gleichzeitig kümmern muss. Daher ist es möglich, dass ein junges Unternehmen trotz Nachhaltigkeits-Anspruch erst einmal auf Plastik setzt und die zeitaufwendige Suche nach ökologischen Alternativen auf später verschiebt, wenn man sich stärker etabliert hat.

Beispiel: Fair Squared startete trotz hoher Nachhaltigkeits-Standards mit Plastikverpackungen. Inzwischen stellt das Kölner Unternehmen schrittweise auf Zero Waste um.

5) Der Kunde will es so

Dieses Argument wird von umweltbewussten Menschen selten beachtet, doch es ist leider Realität: Nicht nur in der Wirtschaft ist Plastik beliebt, sondern auch in der Bevölkerung. Viele Menschen mögen Plastik und fordern es sogar ein. Die meisten finden es toll, wenn Produkte Frische-Siegel haben oder sie eine Schutzfolie abziehen können. Plastik steht hier für Hygiene und Sicherheit. Barilla hat für den deutschen Markt extra ein Sichtfenster eingeführt, weil es die meisten Kunden so haben möchten.

Einfache Handhabung, Widerstandsfähigkeit, praktische Portionierung und lange Haltbarkeit – all das ist im Alltag dann noch entscheidender, als Müll zu vermeiden. Wenn man Plastik vermeidet, vergisst man diese Art der Wahrnehmung leicht, doch sie ist ebenso Realität. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch beim Durchschnitts-Kunden ein größeres Bewusstsein für Nachhaltigkeit herausbildet.

Müssen Unternehmen Plastik verwenden?

In einigen Fällen gibt es weiterhin kaum Alternativen. Jedoch schreitet die Innovation auch im Bereich Verpackungen immer weiter voran. Unternehmen haben immer weniger Ausreden, wenn es darum geht, Plastik zu vermeiden. Hier ein paar Beispiele für junge Firmen, die es anders machen:

  • Nucao wickeln ihre Schokoriegel in Papier und kompostierbares Bioplastik
  • Pfeffer & Frost setzen auf die gute alte Zellophan-Folie, welche biologisch abbaubar ist
  • ZAO hat Kosmetik-Hüllen aus Bambus erfunden
  • Kleine Auszeit, eine Kosmetik-Manufaktur, nutzt Tiegel ohne Plastikgewinde
  • Duschbrocken verwenden für ihre Duschseife eine biologisch abbaubare Hülle aus Mais & Lignin

Nicht nur Startups machen es vor, auch erste Großkonzerne ziehen mit. Nestlé verpackt seine Nesquik-Schokodrinks und YES!-Riegel bereits in Papier.

Ein anderer Lösungsansatz für das Plastik-Problem ist außerdem, Produkte vollkommen neu zu denken. Beispiel: Statt Putzmittel in Glasflaschen zu verkaufen, entwickelte Biobaula Reinigungstabs, die in vorhandenen Putzmittel-Flaschen aufgelöst werden können. So geht plastikfrei Putzen ganz einfach und ohne zusätzlichen Müll.

Und es geht doch

Mit Innovationskraft ist im Bereich alternativer Verpackungen also vieles möglich. Auch wenn es weiterhin starke Argumente für Plastik-Verpackungen gibt, sollte man sich da nicht von den Unternehmen einschüchtern lassen. Viele positive Beispiele zeigen bereits, dass es anders geht.

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