Müllbeutel plastikfrei

Müllbeutel ohne Plastik

Reinigung & Ordnung

Beim Plastikvermeiden gibt es zahlreiche Produkte, die sich ganz einfach ersetzen lassen. Müllbeutel gehören leider nicht dazu. Hier wimmelt es vor Scheinlösungen, die vermeintlich Abhilfe versprechen. Eine einfache Antwort für alle gibt es nicht. Wie genau wir Müll entsorgen, ist sehr individuell. Am Ende hängt es unter anderem davon ab, was in der Gemeinde erlaubt ist, wie hoch der eigene Müllverbrauch ist und ob man einen Komposter besitzt. Ich versuche mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Greenwashing: Nervenberuhigung statt echter Lösungen

Plastikfrei ist Trend und das ist toll. In manchen Bereichen wird aus dem wachsenden Interesse am Umweltschutz leider Kapital geschlagen. Immer mehr Fehlinformationen sind im Umlauf. Aus Müllvermeidung wird Marketing. Man sollte es sich immer bewusst machen: Es geht Herstellern darum, den Kunden im Moment der Kaufentscheidung ein positives Gefühl zu vermitteln. Sonst nichts.

Ein Biosiegel oder auch nur ein grünes Blatt und das Wörtchen „kompostierbar“ sollen die von der Kaufentscheidung geplagten Nerven beruhigen. Dem Kunden soll im entscheidenden Moment vor allem ein gutes Gewissen bereitet werden. So kann man den Kauf vor sich selbst rechtfertigen. Mit Wissen oder damit, das Richtige zu tun, hat das nichts zu tun.

Müllbeutel aus Bioplastik

So ist es auch bei Mülltüten aus Bioplastik. Diese sind in zahlreichen Gemeinden nicht einmal in Biotonnen erlaubt. Denn: Kompostierbar beutet nur, dass sich die Beutel in einem bestimmten Zeitraum auflösen können. Die Bedingungen dafür sind aber nicht immer gegeben. So reicht der heimische Komposter meistens nicht aus. Bio-Mülltüten sind häufig „zu beständig“ und lösen sich auch in Kompostieranlagen nicht auf. Sie werden aussortiert und landen am Ende doch wieder beim Restmüll.

Manche Müllbeutel lösen sich hingegen schon im Mülleimer auf und sind damit unbrauchbar. Die Bezeichnungen „kompostierbar“ und „biologisch abbaubar“ sind also sehr schwammig, haben in der Praxis wenig Bedeutung, verwirren den Verbraucher und der Umwelt ist am Ende wenig geholfen. Sie machen sich dafür sehr gut auf dem Etikett.

Mülltüten aus Papier

Keineswegs besser sind Mülltüten aus Papier. Inzwischen sollte bekannt sein, dass Papiertüten nicht nachhaltiger sind als Plastiktüten. Das gilt für Einkaufstaschen und ganz besonders für Mülltüten. Schließlich müssen Mülltüten einiges aushalten. Sie dürfen nicht durchweichen und müssen relativ viel Gewicht aushalten. Daher ist Recyclingpapier kaum geeignet. Nur neu gewonnene Papierfasern sind stabil und lang genug für diese Anforderungen.

Eine Zwischenlösung kann gefaltetes Zeitungspapier sein. Online findet man zahlreiche Anleitungen dafür.

Plastiktüten als Müllbeutel wiederverwenden

Eine gute Lösung ist es, die im Haushalt vorhandenen Plastktüten als Mülltüten umzufunktionieren. Man kennt es ja. Wie schnell wird einem beim Einkaufen eine Tüte untergejubelt und dieser Beutel wandert dann in die Schublade zu den anderen. Diesen Bestand kann man erst einmal aufbrauchen.

Auch sonst fällt wiederverwendbares Plastik in wahrscheinlich jedem Haushalt an. Beispielsweise beim Toilettenpapier gibt es Potential, gleich zwei große Beutel quasi kostenlos zu erhalten. Man muss die Toilettenpapier-Hülle nur in der Mitte durchschneiden.

Mülltrennen ohne Müllbeutel

Unter gewissen Bedingungen braucht man eigentlich gar keine Mülltüten. Wer Verpackungen für den gelben Sack kurz ausspült, muss keine Gerüche befürchten. Landen keine schmierigen Substanzen im Sammeleimer, kann man die Tüte einfach weglassen. Man kann sich außerdem angewöhnen, den Eimer nach dem Ausleeren kurz in der Badewanne auszuspülen. Häufig stammen Gerüche vom Mülleimer statt der Tüte.

Ähnlich sieht es beim Restmüll aus. Abgesehen von Küchenabfällen ist Restmüll in der Regel trocken. Eine Lage Zeitungspapier auf dem Boden des Eimers saugt Feuchtigkeit auf. Wer den Sammeleimer regelmäßig ausspült, hat kaum Gerüche zu befürchten. Für Kartoffelschalen und Co. sollte dann aber ein getrennter Komposteimer zur Verfügung stehen. Diese gibt es selbstverständlich plastikfrei.

Fazit

Wer Plastik sparen und die Umwelt schonen will, kauft keine Müllbeutel aus Bioplastik oder Papier. Besser ist es, Müllbeutel aus Zeitungspapier zu falten, vorhandene Plastiktüten zu verwenden oder die Müllbeutel ganz wegzulassen.

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